Offenbach mal anders
Offenbach am Main, 08. September 2011

Fotoausstellung von Anna P. Köhler und Lesung von Ingrid Walter laden ein, Wahrnehmung für ihre Stadt zu schärfen

Für zwei Wochen kann man seinen Blick einmal in ein anderes Offenbach versenken und dabei Besonderes, Spannendes, Eigenartiges und Lustiges entdecken: Am 17. September um 17.00 Uhr wird die Ausstellung Main Offenbach der Grafikdesignerin, Offenbach-Bloggerin und leidenschaftlichen Fotografin Anna P. Köhler mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Horst Schneider in einem Raum des Alten Schlachthofgebäudes eröffnet. Zwei Wochen lang können Offenbacher und andere Neugierige die Stadt dann einmal ganz anders, nämlich en Detail, kennenlernen. In den Bilderreigen fügt sich am 29. September um 19:30 Uhr die Lesung der Kurzgeschichte Ürgüp von Autorin und Texterin Ingrid Walter, die zwischen Offenbach und Orient zu schweben scheint.

Details, die man beim schnellen Vorbeilaufen oft übersieht, die aber gerade das Besondere des Stadtbildes ausmachen und deren wechselvolle Geschichte immer wieder aufs Neue erzählen, sind das besondere Interesse der Grafikdesignerin Anna P. Köhler. Die Grafikdesignerin, die seit 2007 in Offenbach wohnt und seit zwei Jahren das Blog Main Offenbach betreibt, hatte die negativen Dinge schon zur Genüge gehört, bevor sie aus dem Südkreis Osnabrücks nach Offenbach zog. Dieser einseitigen Perspektive ihrer neuen Wahlheimat wollte sie jedoch nicht trauen und machte sich selber auf den Weg. Auf ihren Streifzügen war und ist ihre Kamera immer dabei – zuerst aus privatem Interesse, später für ihr Blog und damit nicht mehr nur für sich selbst, sondern für alle, die Offenbach einmal aus einer anderen Perspektive betrachten wollen. So zeigen ihre kleinformatigen, meist schwarzweißen Detailansichten Modernes und Altes, Hässliches und Schönes, Großes und Kleines, Seriöses und Skurriles, Kunst und Kitsch, Urdeutsches und Fremdes. Vieles ist prominenten Gebäuden entnommen, manches auch profanen, unscheinbaren. Es sind Fotos, die neugierig machen und zum interaktiven Dialog einladen. „Ich möchte die Menschen zum Grübeln und Staunen bringen und hoffe, dass sie vielleicht selbst wieder mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen“, beschreibt Anna P. Köhler ihre Motivation.

Ein besonders intensives Erlebnis verspricht die Lesung der ebenfalls in Offenbach ansässigen Autorin und Texterin Ingrid Walter, am 29. September. In ihrer Kurzgeschichte mit dem fremd klingenden Titel Ürgüp flackert inmitten von Anna P. Köhlers Fotos eine Erinnerung in einem Menschen auf – märchenhaft fern und realistisch nah zugleich. Es ist ein Zugereister, der sich erinnert, und der sein Leben damit verbracht hat, zwei Welten, Orient und Okzident, zusammenzubringen. Die Geschichte zeigt, dass nicht nur jedes Ding seine Geschichte hat, sondern auch jeder Mensch. Ingrid Walter, die seit ihrer Kindheit in Offenbach lebt, möchte mit ihrer Geschichte den Blick auf das Verborgene lenken. „Man kann durch eine Stadt gehen mit Ärger und Ablehnung oder mit Wohlwollen und Offenheit im Herzen. Je nach Haltung verändert sich auch der Blick – das hat jeder schon im Urlaub erlebt. Aber, wer nicht fragt, erfährt nichts und wer  seine Fantasie nicht einsetzt, sieht nichts, was das Leben bunter macht.“

Jazzmusik, süßes Gebäck aus tausendundeiner Nacht und Tee stimmen an diesem Abend auch die anderen Sinne der Gäste für einen frischen Blick ein.